MERIAN - Sardinien (1972)

Der Hoffmann und Campe Verlag hat sein erstes Sardinien-Heft in der Merian-Serie 1972 veröffentlicht. Auf eng beschriebenen insgesamt 106 Seiten lernt man ein Sardinien kennen, an dem sich bis heute fast nichts geändert hat. Auf dem Titelbild sind zwei Frauen zu sehen, die sich in einer Gasse unterhalten. Im Vorwort heißt es dazu, dieses Foto könnte eine „heile“ Inselwelt suggerieren, ist aber nichts weiter als eine pittoreske Fassade vor jahrhundertelangem Elend.

Mit einer durchgreifende Aktion habe die Rockefeller-Stiftung zwar nach dem Zweiten Weltkrieg die Malaria besiegen können und auch ein großzügiges Bewässerungssystem habe seinen Aufschwung in der Landwirtschaft genommen.

Doch blieb Sardinien, aus der Sicht des Jahres 1972, eine arme Insel. Dies konnte vor mehr als 40 Jahren nur monetär gemeint sein, den das Merian-Heft zeigt atemberaubende landschaftliche Schönheiten, die sich dank einer strikten Ablehnung gegen den Massentourismus in Sardinien bis heute erhalten haben.  

Die Artikel befassen sich unter anderem aber auch mit dem Geheimnis der Nuraghen, mit dem Banditentum sowie mit der Costa Smeralda im Nordosten der Insel, wo an unzugängliche Küstenstreifen der Luxus eingezogen ist. Besonders lesenswert ist ein Bericht über die Cavalcata Sarda, das größte sardische Volksfest in Sassari.

Geschrieben von dem Schriftsteller Otto Rombach, der sich dem zweiten Weltkrieg in Bietigheim angesiedelt hat und nach dem die dortige Bücherei benannt ist. Ein rundum lesenswertes Heft.

Merian, Sardinien, Hoffmann und Campe Verlag, 106 Seiten

erhältlich im Antiquariatsbuchhandel oder im Internet bei zvab.de.

Rezension: Jörg Palitzsch 8/2015