M.Fois - Der Tod wäscht alles rein

Marcello Fois wurde 1960 in Nuoro auf Sardinien geboren und gilt als einer der erfolgreichsten italienischen Autoren. Der Schriftsteller, hauptsächlich von Kriminalromanen, und Dramatiker lebt heute in Bologna. Seine Krimiserie um Avvocato Bustianu erhielt unter anderem den italienisch-amerikanischen Literaturpreis „Premio Zerilli Marimo“.

„Der Tode wächst alles rein“, fällt zunächst durch seine Einteilung auf. Die Geschichte um die drei Brüder Ettore, Michele und Raffaele Marongiu geht über 256 Seiten und ist in 62 kurze Kapitel unterteilt – macht rein rechnerisch 4,1 Seiten pro Kapitel. Dies verleitet dazu, dieses Buch zügig durchzulesen, was kein Fehler ist. In dem Mordfall auf Sardinien ermittelt Commissari Sanuti vom Festland, ihm zur Seite steht Staatsanwalt Salvatore Corona. Sanuti gerät in eine zunächst verwirrende und schließlich bittere Familiengeschichte, die sich in ihrem Kern in einem furiosen Gemetzel niederschlägt. Ganz nach der brutalen Art der Mafia und viele Jahre vor den Ermittlungen geschehen. Auch das Schicksal der drei Brüder ist beklemmend. Ettore bringt sich um, Michele wird ermordet, nur der Jüngste, Raffaele, kommt davon. Zu den eindrucksvollsten Kapiteln zählt die Nummer 27, in dem Michele fünf Tage lang bei seinem sterbenden Vater am Totenbett ausharrt.

Fois webt in kurzen Sätzen eine sardische Geschichte zusammen, in der sich die Protagonisten in schwer durchschaubaren Mythen und Gebräuchen bewegen. Plötzlich erfährt der Leser, dass auch der Kommissar eine Verbindung zur Familie Marongiu hat, die von einer herrschsüchtigen Frau, die Mutter der Brüder, beherrscht wird. Neben Mord und Totschlag tauchen in dem Buch auch Themen wie EU-Subventionsbetrug und Computer-Kriminalität auf. Man mag kritisieren, dass die Ermittlungsstränge nicht, wie in anderen Krimis, ausladend über viele Seiten gezogen und auch die Figuren nicht tief genug dargestellt werden. Trotzdem liest sich dieser Krimi spannend, weil er tiefe Abgründe aufdeckt und böse Schicksale zeigt. Nach und nach entwirrt sich schließlich die verzwickte Familiengeschichte, weil, wie der Titel schon verkündet, dass der Tod alles reinwäscht. In jedem Fall auch ein Buch, das auf die weiteren Bücher dieses ausgezeichneten Schriftstellers neugierig macht.

Marcello Fois: Der Tod wäscht alles rein, List, Taschenbuch mit 256 Seiten, 7,95 Euro. 

Rezension Jörg Palitzsch 12/2015