M.Agus - Die Frau im Mond

Mit „Die Frau im Mond“ hat Milena Agus, ein Kind sardischer Eltern und in Genua geboren, einen wunderbaren Roman über ihre Großmutter geschrieben. Eine schöne Sardin mit schwarzen dichten Haaren, die allerdings keinen Ehemann findet. Mit 30 bekommt sie gerade noch einen ab, mit dem Witwer aus Cagliari führt sie allerdings eine seltsame Ehe.

Eines Tages schlägt sie ihm vor, das Geld fürs Bordell zu sparen und lässt sich von ihm erklären, was er von den Huren erwartete. Es sind ausgefallene Rollenspiele. Beispielsweise möchte er, dass sie sich nackt auf den Tisch legt. Dann bedeckt er ihren Körper mit Speisen und leckte sie ab. Seine Frau macht ebenso fantasievoll wie geschäftsmäßig mit und achtete darauf, dass er anschließend einen entsprechenden Geldbetrag für den geplanten Kauf eines Hauses auf die Seite legt.

Der Ehemann steht ihr in guten wie in schlechten Zeiten bei. Doch das sieht sie nicht. Sie sucht in den Wolken, was ihr zu Füßen liegt, und badet in einem Meer aus Sehnsucht, in dem sie fast ertrinkt. Mit ihren Verrücktheiten, die nur Ausdruck eines innigen Verlangens sind, erscheint sie den sardischen Dorfbewohnern als Außenseiterin – eben wie eine „Frau vom Mond“.

Jahre später verliebte sich die verzweifelte Frau während einer Kur in einen Kriegsheimkehrer, den Reduce, dem ein Bein amputiert worden ist. Für sie ist es der Mann ihres Lebens, der Mann von dem sie immer geträumt hat: groß, hager, mit tiefgründigen Augen, empfindsam und zärtlich.

Milena Agus hat einen Roman mit emotionaler Tiefe geschrieben, der die Mentalität der Sarden ein Stück weit offenbart. Ebenso ist die Lebensgeschichte der Großmutter ein Plädoyer für Toleranz in der Gesellschaft.

Milena Milena, Die Frau im Mond Hoffmann und Campe, 136 Seiten, 14,95 Euro

Rezension: Jörg Palitzsch 8/2015