H.D.Lawrence - Das Meer und Sardinien

Der 1885 in Eastwood geborene Schriftsteller D. H. Lawrence war Kosmopolit. Er lebte unter anderem in Deutschland, der Schweiz, England, Italien, Australien und Neu-Mexiko. Im November 1919 reiste er mit seiner Frau Frieda von Richthofen zehn Tage lang, von Palermo kommend, über die Insel Sardinien. Für Lawrence war es ein kurzer Abstecher in seinem ruhelosen Leben, seine daraus entstandene Reisereportage „Das Meer und Sardinien“ ist für den Leser dagegen ein Glücksfall.  Die Eindrücke des Dichters, die sich in einer beglückenden Sprache niederschlagen, sind weit mehr als schillernde Naturbeschreibungen. Lawrence ist dicht bei den Menschen, beobachtet sie, spricht viel mit ihnen und vermittelt so ein lebendiges und leuchtendes Bild der Insel.

Die Reise führte das Ehepaar nach seiner Ankunft im südlichen Cagliari nach Mandas und über Sorgono nach Nuoro. Von dort ging es weiter nach Terranova im Norden wieder auf den Dampfer.  

Der Leser kann bei der Lektüre viel über die Tradition, das Essen und die Eisenbahn in Sardinien erfahren. Wenn auch im Ton etwas ruppig und manchmal aus voller Spott, zeigt Lawrence Respekt vor den Sarden, die sich ihm gegenüber gastfreundschaftlich, aber oft auch wortkarg gaben. Die Aufzeichnungen sind jetzt zwar schon gut 100 Jahre alt, haben aber an ihren Detailverliebtheit bis heute nichts verloren. Ein Buch für Sardinienbesucher, die mehr über Land und Leute erfahren wollen

D. H. Lawrence: Das Meer und Sardinien, Diogenes, 276 Seiten, 9,90 Euro. 

Rezension: Jörg Palitzsch, 8/2015