Literaturnobelpreisträgerin Grazia Deledda

Die am 27. September 1871 in Nuoro auf Sardinien geborene Grazia Deledda ist eine von fünf Literaturnobelpreisträgern aus Italien. Ihr Vater war ein angesehener Händler mit Anwaltsdiplom. Ihre Mutter war Analphabetin, wie zu dieser Zeit fast alle Frauen auf Sardinien. Grazia Deledda ging einen mutigen und direkten Weg, um ihr schriftstellerisches Können in die Öffentlichkeit zu tragen. 1888 schickte sie im Alter von 13 Jahren eine ihrer Geschichten zusammen mit ihrem Lebenslauf an die Modezeitschrift L’ultima moda, in der es dann zu einer ersten Veröffentlichung kam. Mit siebzehn Jahren veröffentlichte sie ihre erste Erzählung und schrieb und schrieb und schrieb. Bis zu ihrem Tod erschienen 350 Novellen, 30 Erzählungen, acht Fabeln, 15 Skizzen und 35 Romane. Schreiben war ihr Leben, ihre Heimat die Sprache.

Die weltweit angesehene Literatur-Auszeichnung wurde ihr im Jahre 1926 verliehen. Als ihr der  Abgesandte der Nobelpreis-Komitees die Nachricht der Auszeichnung im Rom überbrachte, stand Grazia Deledda in der Küche und kochte. Als ihr Mann kurz danach gratulierte, meinte die Schriftstellerin besorgt, der Mann aus Stockholm habe wohl die Zwiebeln gerochen.

Der Nobelpreis wurde der Schriftstellerin zuerkannt „für ihre von hohem Idealismus getragene schriftstellerische Kraft, mit der sie das Leben, wie es sich auf der Insel ihrer Väter (Sardinien) abspielt, in plastischer Anschaulichkeit nachbildet und allgemein menschliche Probleme mit tiefem und warmem Anteil behandelt.” Inhaltlich blieb sie in ihren Werken vorwiegend dem Sardisch-Regionalen verbunden, ihre Charaktere waren Mägde und Bauern, Heldinnen und Helden, die trotz ihrer Einfachheit nicht plump erscheinen. Ihre Stärke liegt nicht in der Ausgestaltung der Charaktere ihrer Geschichten, sondern in ihren Landschaftsbeschreibungen, die sich durch Prägnanz, Lokalkolorit und Atmosphäre auszeichnen. Ihre wichtigsten Bücher: Die Maske des Priesters (1905), Die Mutter (1922) und Schilfrohr im Winde (1930).

Zusammengestellt von Jörg Palitzsch 9/2015