G.Angioni - Sardinien eine Insel für jede Jahreszeit

Giulio Angioni gilt neben Segio Atzeni und Salvatore Mannuzzu als Protagonist zeitgenössischer sardinischer Belletristik, die unter dem Schlagwort „Neue sardische Literatur“ bekanntgeworden ist. Angionis Werk baut unter anderem auf Arbeiten von Nobelpreisträgerin Grazzia Deledda auf, unter seinen Romanen zählen La fiamme di Toledo aus dem Jahre 2006 und und Doppio cielo (2010) als die besten.                  

In dem prächtig ausgestatteten Bildband „Sardinien – Eine Insel für jede Jahreszeit“ hat Giulio Angioni, in Ergänzung zu Texten von Caterina Lilliu und Domenico Ruiu, in einem kurzen Essay die Andersartigkeit der Insel beschrieben, die sich in den Fotos niederschlägt. „Anderssein im Sinne von Naturwüchsigkeit oder Natürlichkeit, Anderssein im Sinne von Unverfälschtheit, von archaischer Ausstrahlung, Ursprünglichkeit und lebendiger Vorgeschichte eines 'unbefleckten', entlegenen Ortes“, schreibt Giulio Angioni. Allerdings räumt der im Oktober 1939 in Guasila in Sardinien geborene Schriftsteller und Anthropologe auch ein, dass Sardinien einen Sprung hin zu Veränderungen im europäischen Sinne gemacht habe. „Und doch erstaunt Sardinien … mit seinen starken Eindrücken, die sich unverändert bewahrt hat...“

Die Landschaftsfotos von Domenico Ruiu geben einen Eindruck von der Natürlichkeit der Insel wieder, die bis heute erhalten geblieben ist – weil man nach wie vor den Massentourismus ignoriert. In einem umfangreichen Kapitel werden Land und Leute vorgestellt, alles ist, dies wird leicht sichtbar, in einer tiefen Tradition verankert.

Giulio Angioni, Sardinien – Eine Insel für jede Jahreszeit, Umschau-Verlag, 126 Seiten, mit zahlreichen Farbfotos, gebundene Ausgabe.

Exemplare bei ZVAB ab zwölf Euro.

Rezension Jörg Palitzsch 9/2015