F. Soriga - Der schwarze Regen

Flavio Sorigas Buch „Der schwarze Regen“ spielt in einem gottverlassenes Dorf irgendwo in Sardinien. Die attraktive Marta schert sich nicht um das Gerede der Leute und lebt ein freizügiges Leben. Eines Tages wird sie brutal ermordet und im imaginären Dorf Nuraiò treten Korruption, unterdrückte Leidenschaften und unerfüllte Lebensentwürfe an die Oberfläche. Soriga gelingt in seinem Buch mehr als eine Milieustudie. Er beschreibt – wie aus der Zeit gefallen – die Trostlosigkeit des sardischen Landlebens und die festgefahrenen Verhaltensmuster einer Dorfgemeinschaft. Außerdem regnet es ständig, was die Stimmung weiter drückt.

Auf der Jagd nach dem Mörder der schönen und eigenwilligen Marta macht sich Kommissar Maresciallo Crissanti, der allerdings lieber als Anthropologe arbeiten würde, gern Gedichte liest und ab und zu mal einen Joint raucht. Er trifft unter anderem auf den jungen Priester Antonio, der bemerkt, dass er dafür nicht geschaffen ist. Er trifft auf den Träumer Nicola Rau und Zio Salvatore, der seinen Freund, den Ehemann von Marta, Efisietto, aus seinem Schlamassel retten will – und alle sind des Mordes verdächtig.  

„Der schwarze Regen“ ist eine wunderbare Kriminalnovelle, die tief in die Seelen der Sarden blickt, spannend und poetisch zugleich. Für sein Buch wurde Soriga mit dem „Premio Grazia Deledda“ ausgezeichnet. Der Autor arbeitet für die Tageszeitung "La Nuova Sardegna" sowie für verschiedene Zeitschriften, ist künstlerischer Leiter des Lyrikfestivals Settembre dei Poeti von Seneghe und lebt in Cagliari, Bologna sowie London.

Flavio Sorgia: Der schwarze Regen, Sammlung Luchterhand, 222 Seiten, Taschenbuch unterschiedliche Preisangaben.

Rezension: Jörg Palitzsch, 9/2015